Die Physik beschreibt unsere Welt mit beeindruckender Präzision. Naturgesetze legen fest, wie sich Prozesse verhalten. Naturkonstanten besitzen feste Werte, die innerhalb enger Grenzen liegen müssen. Die vier bekannten Naturkräfte bestimmen die Wechselwirkungen zwischen allen bekannten Strukturen des Universums.
Ohne diese Regeln gäbe es keine Sterne, keine Planeten, keine Chemie und vermutlich auch kein Leben.
Doch damit entsteht eine grundlegende Frage:
Woher kommen diese Regeln eigentlich?
Die Physik kann ihre Wirkungen messen und mathematisch beschreiben. Sie kann berechnen, wie sich das Universum unter diesen Bedingungen entwickelt. Doch die Frage, warum genau diese Gesetze gelten und warum die Naturkonstanten gerade jene Werte besitzen, führt an die Grenzen des heutigen Wissens.
Oft werden diese Eigenschaften als fundamentale Gegebenheiten betrachtet. Sie sind einfach vorhanden und bilden den Rahmen, innerhalb dessen sich alles andere entwickelt.
Für mich beginnt genau an diesem Punkt eine weitere Frage.
Wenn wir überall in der Natur Entwicklungsprozesse beobachten, warum sollten ausgerechnet die grundlegenden Strukturen der Wirklichkeit von jeder Entwicklung ausgenommen sein?
Sterne entstehen und vergehen. Arten entwickeln sich. Galaxien verändern sich. Information organisiert sich zu immer komplexeren Mustern. Evolution erscheint als eines der universellsten Prinzipien überhaupt.
Warum also sollten Naturgesetze, Naturkonstanten und Naturkräfte seit Anbeginn unverändert existiert haben?
Die hier vorgestellte Idee betrachtet sie nicht als ewige Vorgaben, sondern als Ergebnis einer Entwicklung. Nicht Materie steht am Anfang, sondern Information.
Die Naturgesetze wären demnach keine unveränderlichen Vorschriften, sondern hochstabile Informationsmuster. Naturkonstanten wären keine zufälligen Zahlen, sondern das Ergebnis eines langen Selektions- und Entwicklungsprozesses. Naturkräfte wären Ausdruck bestimmter Beziehungen innerhalb eines fundamentalen Informationsfeldes. Die Naturkräfte funktionieren dabei exakt wie ein digitales Adresssystem in unserer heutigen Kommunikation: Ein Software-Befehl wird im System nur dann ausgeführt, wenn das Zielteilchen die exakt passende „Adresse“ – im physikalischen Sinne die richtige Ladung – besitzt. Die Starke Kernkraft sucht über das Gluon gezielt nach der Adresse einer „Farbladung“, um Quarks zusammenzukleben. Fehlt diese Adresse, existiert die Kraft für das Teilchen schlichtweg nicht. Naturkräfte sind keine unhinterfragbaren Mächte, sondern an Bedingungen geknüpfte Unterprogramme.
Wir kennen diese Strukturen vor allem durch ihre Wirkungen. Niemand hat jemals ein Naturgesetz gesehen. Niemand hat jemals eine Naturkonstante berührt. Wir beobachten ihre Auswirkungen auf die Welt und schließen daraus auf ihre Existenz.
In diesem Punkt unterscheiden sie sich erstaunlich wenig von Dunkler Materie oder Dunkler Energie. Auch dort sehen wir nicht das Objekt selbst, sondern nur die Spuren, die es hinterlässt.
Vielleicht ist Information deshalb nicht nur eine Eigenschaft der Wirklichkeit. Vielleicht ist sie die eigentliche Grundlage, aus der die Wirklichkeit hervorgeht.
Das wäre zumindest eine mögliche Erklärung dafür, warum das Universum nicht im Chaos versinkt, sondern über Milliarden von Jahren hinweg stabile Strukturen, Ordnung und schließlich sogar Bewusstsein hervorbringen konnte.